Mobbing am Arbeitsplatz: Tipps für Betroffene

Mobbing am Arbeitsplatz

Hinterm Rücken wird ständig getuschelt, Informationen werden vorenthalten, Kollegen lassen dich im Meeting vor allen anderen und vor allem vor deinem Chef auflaufen? Dann bist du eindeutig eine Zielscheibe deiner Kollegen! Gezielte Demütigungen und verletzende Gemeinheiten können das Berufsleben zu einem Albtraum machen – wie können sich Mobbingopfer wehren und wie sollten sie sich bei fiesen Schikanen richtig verhalten?

Was ist überhaupt Mobbing?

Mobbing am Arbeitsplatz ist nichts anderes als eine systematische Beleidigung, Benachteiligung oder Ausgrenzung durch Kollegen oder Vorgesetzte – und zwar über eine längere Zeit. Mobbingopfer können von ganzen Gruppen oder auch von einem einzelnen Kollegen schikaniert werden. Dabei werden die Fähigkeiten des Opfers angezweifelt, unfaire Kritik ausgeübt, verletzende oder sinnlose Aufgaben angeordnet, relevante Informationen verschwiegen und im schlimmsten Fall Arbeitsergebnisse manipuliert.

…und was ist Mobbing am Arbeitsplatz nicht?

Wie auch im familiären Umfeld kann es auch in Kollegenkreisen hin und wieder Meinungsverschiedenheiten geben. Einige Kollegen vergreifen sich häufig gewaltig im Ton oder knallen die Tür hinter sich unnötig laut zu. Diese Gestiken sind natürlich nicht ganz prickelnd, aber menschlich und zählen daher auch nicht als Mobbingattacken. In vielen Fällen finden die Kollegen bei solchen Konflikten Kompromisse und gehen anschließend wieder nett und konstruktiv miteinander um. Hinter Mobbing steckt hingegen ein System und eine durchdachte Methode, die über einen längeren Zeitraum ausgeführt wird.

Die vier typischen Mobbingphasen

Wenn Mobbingopfer nicht frühzeitig gegen die kränkenden Benachteiligungen gegensteuern, läuft das Mobbing häufig in vier typischen Phasen ab. Letzten Endes verlässt der gemobbte Kollege das Unternehmen.

  • Phase 1: Im Konflikt kommt es zu ersten persönlichen Attacken und Schuldzuweisungen.
  • Phase 2: Die gemobbte Person wird nun häufiger ausgegrenzt und schikaniert. Das Selbstwertgefühl geht verloren.
  • Phase 3: Das Mobbingopfer fühlt sich verängstigt, unkonzentriert und wird anfällig für das „Fehlermachen“. Arbeitsrechtliche Folgen wie Abmahnungen, Kündigungsdrohungen etc. folgen.
  • Phase 4: Das Ziel der Mobber wurde erreicht – das Opfer gibt auf, kündigt oder wird gekündigt.

Diskriminierung ist in allen Branchen verbreitet

Es ist wahrlich die Hölle auf Erden: deine Kollegen schüchtern dich permanent ein, grenzen dich vom Team aus und nehmen dir über einen längeren Zeitraum dein ganzes Selbstbewusstsein. Und dann geht’s los: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen. Mobbingopfer möchten sich am liebsten zwischen den Aktenordnern verstecken. Obwohl das systematische Ausgrenzen von Kollegen branchenübergreifend gang und gäbe ist, verharmlosen viele Unternehmen das sehr ernste Problem.

Auch in unserem Nachbarland Österreich ist das Thema Mobbing am Arbeitsplatz hochbrisant. Eine Studie von VIKING und OnePall (Meinungsforschungsinstitut) ergab, dass 66,8 % aller 500 befragten österreichischen Arbeitnehmern zugaben, Mobbing im Beruf selbst erlebt zu haben. Allerdings sind nur 40,4 % der Meinung, dass Mobbing ein ernstzunehmendes Problem ist. Warum ist die Spanne so groß? Obgleich über 75 % bereit wären, den Job zu wechseln…

Kann es sein, dass das Thema Mobbing einfach ignoriert wird?

Offensichtlich möchten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer dem Problem nicht stellen. Denn die Studie ergab auch, dass über 60 % aller Befragten nichts unternehmen würden, wäre ihr Job dadurch bedroht. Bei einer solchen Aussage müssen sich Unternehmen ernsthafte Gedanken machen. Denn fehlt seitens der Geschäftsführung an Unterstützung und Rückhalt, so werden sich Mobbingopfer niemals trauen, sich gegen verletzende Attacken zu wehren. Was extrem auffallend an den Studienergebnissen ist, sind die 70 %, die ihren Kollegen helfen würden. Aber warum gibt es immer noch so viele Opfer und wieso können wir als Mitarbeiter nicht unseren ganzen Mut zusammenpacken und den gemobbten Kollegen wirklich helfen?

Vermutlich ist der Grund unser Egoismus. Und diesen kann uns leider keiner vorwerfen. Denn unsere Angst ist nicht unbegründet, wenn sich eine mögliche Heldentat auf unsere Karriere negativ auswirken könnte. Außerdem können viele Menschen nicht erkennen, wann Mobbing wirklich Mobbing ist. Womöglich möchten viele Kollegen nicht eingreifen, weil sie Angst haben, sich einzumischen oder eventuell etwas missverstanden haben.

Es gibt unterschiedliche Situation: Wie würdest du dich zum Beispiel fühlen, wenn du vor versammelter Mannschaft als Sündenbock vorgeführt wirst? Oder erhält der Kollege doch vielleicht eine durchaus faire Kritik an seinem Arbeitsverhalten? Du musst hier auf dein Bauchgefühl hören. Es wird dir niemals irgendwer vorwerfen, du hättest keinen Mut gehabt, einzugreifen. Aber wenn du unsicher bist, achte bewusst auf deine Mitmenschen und frage lieber einmal mehr nach, ob ein persönliches Gespräch mit dem Chef möglicherweise helfen könnte.

Mobbing durch den Chef

Nicht selten geht das Mobbing vom Chef aus (auch „Bossing“ genannt). Dabei nutzt der Vorgesetzte seine Macht und seinen Einfluss im Unternehmen, um einen Angestellten gezielt zu schikanieren und vor allen anderen Kollegen zu blamieren. Das Bossing ist besonders hinterlistig, da der Arbeitnehmer finanziell von seiner Arbeitsstelle abhängig ist und da dieser nicht mit denselben Privilegien wie der Chef ausgestattet ist, ist die Abwehr gegen solche Angriffe besonders schwer. Daher endet das Bossing bei den gemobbten Personen schnell in Existenzängsten und starker Hilflosigkeit. Wenn du von deinem Vorgesetzten intrigiert wirst, solltest du so früh wie möglich Hilfe beim Personal-/ Betriebsrat, bei deiner Gewerkschaft oder einer spezialisierten Beratungsstelle holen. Meistens können so konstruktive Lösungen gefunden werden, bevor es zur endgültigen Eskalation kommt.

Die rechtliche Situation im Falle von Mobbing am Arbeitsplatz

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Frankreich, Finnland oder Schweden gibt es bei uns kein spezielles Anti-Mobbing-Gesetz, weshalb Anwälte und Richter im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung auf allgemeingültige Rechtsnormen zurückgreifen müssen.

Grundgesetz: Wer mobbt, greift in das verfassungsrechtlich geschützte allgemeine Persönlichkeitsrecht jedes deutschen Bürgers ein und somit in das Recht auf körperliche/seelische Unversehrtheit. Deutsche Arbeitgeber stehen daher in der Pflicht, dieses Recht zu schützen und Betriebsstrukturen so zu koordinieren, dass Arbeitnehmer nicht systematisch ausgegrenzt werden können. Außerdem unterliegen Arbeitgeber der gesetzlich geregelten Fürsorgepflicht. Aus diesem Grund müssen sie dafür sorgen, dass Mobbing unter Mitarbeitern erst gar nicht zustande kommen kann.

Betriebsverfassungsgesetz: Ein gemobbter Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, sich mittels einer Beschwerde an den Betriebsrat zu wenden. Dieser kann gemäß §104 BetrVG eine Versetzung oder Entlassung fordern, wenn der Unternehmensfrieden durch z.B. Mobbing permanent gestört wird. Laut §75 BetrVG steht der Betriebsrat sogar dann in der Pflicht, Mobbingopfern zu helfen, wenn keine Beschwerde eingereicht wurde.

Allgemeines Gleichstellungsgesetz: Ein Arbeitnehmer kann sich auf das in Deutschland geltende allgemeine Gleichstellungsgesetz berufen. Aber nur, wenn er der festen Überzeugung ist, dass das Mobbing aufgrund der ethnischen Herkunft, Rasse, des Geschlechts, Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Identität ausgeführt wird.

Ich bin ein Mobbingopfer – was kann ich tun?

Wenn du dir sicher bist, dass deine Kollegen dich auf irgendeine Art und Weise angreifen, erniedrigen oder beleidigen, solltest du zeitnah ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber suchen. Dieser ist aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet, dich vor gesundheitlichen Problemen am Arbeitsplatz zu schützen. In manchen Fällen reicht auch eine zweite Meinung. Rede mit einem freundlichen, vertrauenswürdigen Mitarbeiter – vielleicht liegt tatsächlich ein Missverständnis vor und es lässt sich schnell klären. Vorsichtshalber solltest du immer Beweismaterial sammeln. Dies klingt vielleicht etwas übertrieben, aber wenn du dich vor dem Betriebsrat oder sogar vor einem Richter erklären musst, kannst du deine Aussage mit Beweisen unterlegen. Dazu reichen oft schon gesicherte Mails oder eine Liste, in der Datum und Anwesende der Mobbingattacke notiert wurden.

Außerdem gibt es zahlreiche Beratungsstellen, Verbände und Vereine, die Mobbingopfer umfassend beraten. Hier einige Erstanlaufstellen:

  1. http://www.mobbing-net.de/: Verein für Arbeitsschutz und Gesundheit durch systematische Mobbingberatung und Mediation e.V.
  2. http://www.vpsm.de/: Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V.
  3. https://www.hilfetelefon.de/gewalt-gegen-frauen/mobbing.html: Beratung per Telefon, E-Mail, Chat, Gebärdensprache möglich.
  4. https://www.myhandicap.de/community/forum/: Internetforum, in welchem sich Mobbingopfer austauschen können.

Diese Fehler kannst du selbst vermeiden…

Ganz wichtig: Du solltest die Angriffe von deinen Kollegen oder gar vom Chef selbst nicht verharmlosen. Viele gemobbte Personen möchten insgeheim nicht zugeben, dass sie nun Opfer sind. Doch dafür brauchst du dich nicht schämen und dich auch nicht extra isolieren.

Außerdem machen viele den Fehler, dass sie zu lange warten. Aber worauf warten sie? Dass es besser wird oder dass der fiese Kollege eines Morgens plötzlich freundlich ist und Frieden schließt? Wenn du schon ein- oder zweimal beleidigt oder ausgrenzt wurdest, ist es höchstwahrscheinlich, dass du schon mitten in einem Mobbing-System steckst. Also warte nicht ab, geh lieber sofort zum Betriebsrat oder rede mit anderen Kollegen, bevor die Situation gänzlich eskaliert und du dir letzten Endes doch einen neuen Job suchen musst.

Mobbing ist nach wie vor ein sehr schwieriges Thema und viele möchten es einfach nicht zugeben, dass sie in der Rolle des Opfers stecken. Deswegen suchen viele gemobbte Arbeitnehmer auch die Schuld bei sich selbst. Das solltest du nicht tun! Sei stark und lass dir dein Selbstwertgefühl nicht von vermeintlich übergeordneten Kollegen nehmen. Alle Mitarbeiter in einem Unternehmen sind gleich Wert – ob Praktikanten, Auszubildende, Festangestellte oder Vorgesetzte. Niemand hat das Recht dazu, eine andere Person zu kränken.

Mobbing am Arbeitsplatz
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Mustafa Demertzis
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Mustafa Demertzis ist Blogger und leidenschaftlicher Online-Marketer. 2017 gründete er den ersten Karriere-Blog für deutsche Jugendliche mit Migrationshintergrund.

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4 Kommentare
  1. Sladjan Lazic says:

    Sehr gut geschrieben Musti.

    Ja leider wurde schon immer gemobbt und das wird sich auch nie ändern. Man kann selbst aber schon viel dazu beitragen, dass man nicht zum Ziel von Mobbing wird. Eine selbstbewusste Persönlichkeit ist schon mal die Grundvoraussetzung.

    Denn die Mobber sind für gewöhnlich feige und legen sich nur mit Schwächeren an, wenn sie wissen, dass sie überlegen sind.

    Also, sich ruhig mal was trauen.

    Viele Grüße
    Sladjan

    Antworten
  2. Tina says:

    ein super informativer Beitrag! habe Mobbing am Arbeitsplatz leider auch schon selbst erleben müssen …
    am Ende war das einzige, das half, den Arbeitsplatz zu wechseln! manchmal gibt es da leider keinen Ausweg :/

    liebste Grüße Tina

    Antworten
  3. Stefanie says:

    Wunderbar und verständlich geschrieben! Leider wurde ich selbst schon Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz zu Zeiten meiner Ausbildung und finde mich in deinem Beitrag auch in einigen Punkten wieder. Umso wichtiger ist es, dass darüber so offen und informativ geschrieben wird, wie du es getan hast!

    LG
    Stefanie

    Antworten
  4. Bea says:

    Schade, dass es zu meiner (arbeitsreichen) Zeit Deinen Blogbeitrag bzw. das Internet nicht in der heutigen Form gab! Es hätte mir so geholfen! Ich kenne es zu gut, Mobbing-Opfer zu sein! Und Bossing-Opfer! Es war an verschiedenen Arbeitsstellen so. Das ist auch der Grund, warum ich in diesem Job nicht mehr arbeite.

    Danke für Deinen Beitrag und die Aufklärung.

    Lieben Gruß, Bea

    Antworten

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