SEO Manager werden: Alan Webb im Interview

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Wer SEO Manager werden möchte, entscheidet sich für eine lange Beziehung mit Google. Doch in diese Beziehung mischen sich oft Pinguine, Pandas und auch Kolibris ein. Als Berufsanfänger kann dies für Verwirrung sorgen. Damit es bei dir reibungslos funktioniert, bekommst du einige Expertentipps von Alan Webb.

Wer im Internet etwas suchen möchte oder gefunden werden will, nutzt eine Suchmaschine. Als Suchender gibt man seine Frage ein, als Anbieter hofft man, dass sein passendes Ergebnis auf der ersten Seite ganz oben erscheint und im besten Fall geklickt wird. Da kommt der Search Engine Optimizer, kurz SEO oder übersetzt Suchmaschinenoptimierer ins Spiel. Als SEO analysiert man Webseiten und mit unterschiedlichen Methoden wird versucht, mit der Webseite und dem passenden Angebot auf die Anfrage, auf die vorderen Plätze der ersten Seite zu gelangen.

karrierekebap.de: Bitte stell dich unseren Lesern vor, wer ist Alan Webb?

Alan Webb: Gern. Ich bin ehemaliger Angehöriger der britischen Armee. Mit 17 habe ich angefangen und mit 18 wurde ich direkt nach Deutschland geschickt. Zur Zeit des kalten Krieges, 1987 – 1991, war ich in Hannover stationiert. Nach der Beendigung meiner Soldaten-Laufbahn wurde ich Finanzberater für britische Soldaten in Hannover. Bis zu dieser Zeit habe ich kein einziges Wort deutsch gesprochen. Nachdem dann immer mehr Soldaten wieder zurück in die Heimat sind, ich aber bleiben wollte, musste ich einen Job finden und deutsch lernen. Ich bekam in der Marketing Abteilung einer Versicherung einen Job. Zusätzlich habe ich in der Erotik-Branche für ein Unternehmen die Webseite vermarktet. So kam ich zur Suchmaschinenoptimierung. Das alles begann noch zu Altavista-Zeiten, Google gab es noch nicht. 2002 habe ich mich dann mit der ABAKUS Internet Marketing Agentur selbstständig gemacht und seitdem ist das Unternehmen gewachsen.

Alan Webb: „SEO ist kein Fach, das man an der Uni lernt.”

karrierekebap.de: Wie werde ich ein SEO?

Alan Webb: Bei mir war es „learning by doing“. SEO ist kein Fach, das man an der Uni lernt. Meine erfolgreiche Methode war: Bereitschaft zu zeigen, Dummy Websites zu erstellen und testen, testen, testen. Aber um testen zu können, muss man wissen was man testen soll. Analytisches Denken, experimentieren und den Dingen die Chance zu geben zu wirken, haben mir Erfolg gegeben. Mit meiner privaten Hobby-Webseite über Backgammon konnte ich damals viel ausprobieren. Heute ist es ebenfalls wichtig zu testen. Hinzu kommt Empathie zu haben. Versuchen wie Google zu denken. Was macht Sinn? Was ist logisch? Ist die Seite z.B. relevant genug für Google? Wer sich die richtigen Fragen stellt, deckt den Algorithmus, der die Webseite bewertet. Mir war schon sehr lange bekannt, dass Google die Meta Keywords nicht berücksichtigt. Auch hier habe ich durch Testen herausgefunden, dass Google das ignoriert, weil es zu einfach wäre Seiten zu manipulieren.

karrierekebap.de: Ich brauche also keine berufliche Ausbildung als Basis um SEO zu werden?

Alan Webb: Nein! Man sieht es ja an meiner eigenen Geschichte! Ich habe die mittlere Reife, das hat gereicht. Es kann vielleicht sogar ein Nachteil sein, wenn man zur Uni geht, man saugt nur Informationen auf, bekommt nur Theorie. Reine Themen und Fakten helfen nicht dabei ein SEO zu werden. Man muss proaktiv sein, überlegen, was KÖNNTE es sein, dass man zu diesem Ergebnis kommt. Es hat meiner Meinung absolut nichts damit zu tun, ob man studiert hat und möglicherweise dadurch ein guter oder schlechter SEO wird.

karrierekebap.de: Welche Soft Skills braucht ein SEO?

Alan Webb: Wie schon gesagt, man muss analytisch und logisch denken können. Wer gut reden kann und sympathisch und nett auf sein Gegenüber wirkt, kann ein Geschäft abschließen. Für den Vertrieb überaus wichtig. Der SEO Job selbst ist eine ziemlich trockene und analytische Arbeit. Woher kommt die Suchphrase? Hat man Monitoring betrieben? Eigentlich sogar im Gegenteil, man braucht Hard Skills, wie geht man mit Excel um, kann man die Tools bedienen, Daten verstehen. Soft Skills braucht man in der Management Ebene oder im Vertrieb und Marketing. Für die reine harte SEO Arbeit sind Soft Skills nicht wirklich nötig.

karrierekebap.de: Gibt es verschiedene Aufgabenfelder im SEO Bereich und wenn ja, welche?

Alan Webb: Sicher gibt es verschiedene Bereiche. Es gibt die reinen hardcore Technik-Freaks, sie können gut programmieren und hard-coden, Templates ändern z.B., also die Coder Seite. SEO ist aber auch Linkaufbau, hier sind dann Soft Skills wieder nützlich, man muss potenzielle Linkpartner kontaktieren, die bereit sind auf eine Seite zu verlinken. Und man muss gut im Recherchieren sein. Aufgabenfelder gibt es weiter im Monitoring Bereich. Hier kann man schnell sagen was der ROI (Return on Investment) bei bestimmten Suchphrasen ist, war die Kampagne ein Gewinn oder nicht, also Mathe und Excel sind wichtig. Das sind die eigentlichen drei Hauptbereiche, die alle für sich gesehen sehr innovativ sind. Aber in jedem Bereich muss man fähig sein, Google zu verstehen, also Empathie zeigen.

karrierekebap.de: Sollte sich ein SEO auf einen Bereich konzentrieren oder in verschiedenen Bereichen tätig sein?

Alan Webb: SEO bedeutet, mit einem umkämpften Begriff, eine Seite auf die ersten Plätze der ersten Seite der Suchergebnisse zu bekommen. Man muss also zuerst Kenntnisse aus allen Bereichen sammeln. Wer nur gut im Reporting ist, aber Probleme mit dem Umsetzen hat, versteht auch nicht die Konsequenzen. Wenn man mit der technischen Seite ein Problem hat, kann man den Job auch nicht machen. Umgekehrt ist es genauso schlecht, man ist stark im Programmieren, aber weiß nicht wie die Daten vom Seo Diver, Sistrix und der anderen Tools zu deuten sind. Später kann man dann fokussieren und spezifische Aufgaben für einen bestimmten Bereich übernehmen.

karrierekebap.de: Mit welchen SEO Tools sollte ich mich auskennen?

Alan Webb: Es gibt Tools für verschiedene Bereiche. Im Linkbereich würde ich sagen ahrefs, auch im SEO Diver gibt es die Möglichkeit die Links zu prüfen. Hier können wir die Ergebnisse von Google Analytics oder der Google Search Console importieren, das bedeutet Monitoring für die Links. Ein Tool fürs Ranking ist auch Sistrix, aber der SEO Diver hilft uns einfach am meisten, weil er sehr umfangreich ist. Viele haben eine eingeschränkte Testversion der verschiedenen Tools. Der SEO Diver ist für jeden offen und hat keine Einschränkungen. Es gibt keinen anderen Anbieter, der ein vergleichbares Tool mit diesem umfangreichen Angebot kostenlos anbietet.

Alan Webb: „Meine Aussprache war nie ein Hindernis.”

karrierekebap.de: Du hast als Engländer eine Internet Agentur in Hannover aufgebaut, die bereits ihr 15-jähriges Bestehen feiert. Welche Herausforderung musstest du bis zur Gründung meistern?

Alan Webb: Ganz klar, die Sprache. Es ist mir unangenehm, ich bin seit 1987 in Deutschland und eigentlich sollte mein Deutsch perfekt sein. Es ist ganz gut, ich verstehe fast alles und die Leute verstehen mich, aber diese ganze Grammatik, der, die, das, dem, den und so weiter, werde ich nie in den Griff bekommen. Und ich werde nie akzentfrei sein und ich werde auch immer diese ganzen Grammatikfehler machen. Das war und ist meine große Herausforderung. Inzwischen bin ich Speaker auf Konferenzen, bei der IHK und bei Seminaren. 2005 bekam ich eine Einladung nach Las Vegas, um auf der Pupcon als Referent zu sprechen. Danach wurde ich immer wieder zu vielen weiteren großen Veranstaltungen in Deutschland als Speaker eingeladen. Ich kann mich also nicht beklagen, meine Aussprache war nie ein Hindernis.

karrierekebap.de: Als Migrant hast du dich erfolgreich im SEO positioniert. Welchen goldenen Tipp kannst du unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Alan Webb: Für die Selbstständigkeit?! Fange langsam an und baue stetig auf. Natürliches Wachstum. Nichts künstlich hochzüchten. Viel Arbeit und Zeit investieren. Am Anfang war ich fast nie zu Hause. Erfolg haben und ganz oben sind nur die, die sich das hart erarbeitet haben und das Glück hatten zum richtigen Zeitpunkt zu starten. Um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen UND ein gutes Gehalt zu bekommen, braucht man meistens von beidem was. Viel Arbeit und eine ganze Menge Glück. Innovation und USP (unique selling proposition bzw. Alleinstellungsmerkmal) gehören auch noch dazu. Also bei einem gesättigtem Markt etwas deutlich besser zu machen, als das, was es schon gibt. Oder etwas ganz Neues, eine Nische finden. Ich hatte Glück und USP, kaum einer in Deutschland hat SEO zu der Zeit gemacht. Heute wissen die meisten was SEO bedeutet, zu meiner Anfangszeit hieß es noch Suchmaschinenoptimierung.

karrierekebap.de: Was kannst du heute über ABAKUS sagen?

Alan Webb: 15 Jahre! Es ist erstaunlich! Ich habe mit 35 angefangen, bin jetzt 50. Eigentlich ist es ziemlich spät mit 35 eine Firma zu gründen. Aber die Entwicklung war gut und richtig. Heute haben wir über 30 Angestellte und wir können auf einen 15-jährigen Erfahrungsschatz blicken, den kein anderer in dieser Branche hat, ein riesiger Vorteil. ABAKUS ist wohl die einzige Firma, die die Anfänge überlebt hat. Zum Teil sind die anderen geschluckt worden oder pleite gegangen. Es läuft immer noch sehr gut und ich bin happy.
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Alan Webb: „So lange es Suchmaschinen gibt, wird es SEO geben.”

karrierekebap.de: Wie siehst du die Zukunft von Suchmaschinenoptimierung?

Alan Webb: So lange es Webseiten gibt, die gefunden werden wollen, wird es SEO geben. Und es gibt Webmaster, die das nicht berücksichtigen. Und diese brauchen Hilfe. So lange es Suchmaschinen gibt, wird es SEO geben. Es wird immer einen Algorithmus geben, für jede Suchmaschine einen eigenen, obwohl Google da schon eine Monopolstellung hat. Und auch so lange diese da sind und es organische Ergebnisse gibt, wird es Suchmaschinenoptimierer geben. Dass ist auch notwendig, weil wirklich gute Seiten oft nicht gefunden werden, eben weil alles auf der Seite dem Gegenteil des Algorithmus entspricht

karrierekebap.de: Vielen Dank.

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Über den Interviewpartner

Alan Webb ist Gründer und Geschäftsführer der ABAKUS Internet Marketing GmbH. In Deutschland gehört er zu den SEOs der ersten Stunde. Als Speaker ist Alan auf verschiedenen Seminaren und Konferenzen zu treffen.

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