Social Media Manager werden: Gero Pflüger im Interview

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Social Media Manager werden in der heutigen Digitalisierung von kleinen bis größeren Unternehmen dringend gebraucht. Doch wie wird man Social Media Manager? Diese und weitere Fragen habe ich für dich an den Social-Media-Experten Gero Pflüger gestellt.

Gero Pflüger im Interview

Musti: Warum hast Du dich für diesen Beruf entschieden?

Gero: Eigentlich bin ich Grafikdesigner und komme aus dem Print-Bereich. Ich war im Verlagswesen und in einem internationalen Finanzdienstleistungs-Konzern tätig, dort in verschiedenen Führungstätigkeiten. Als ich mich 2007 selbstständig gemacht habe, war mein Unternehmen ein Grafikbüro mit dem Schwerpunkt Corporate Design. Natürlich hatte ich eine hübsche Website mit Blog, war bei XING, Facebook und Twitter zu finden. Aber ich monetarisierte mein Wissen um soziale Netzwerke nicht.

Irgendwann Ende des ersten Jahrzehnts fragte mich einer meiner Kunden, was er denn abseits des bisherigen Print- und Website-Marketings noch so machen könnte. Meine Antwort war: Facebook. Also setzte ich ihm eine Facebook-Seite auf, mit dem Erfolg, dass der Kunde schon nach kurzer Zeit  20 % mehr Umsatz generieren konnte.

Musti: Welches Studium oder welche Ausbildung können mir als Grundlage helfen bzw. mit welchen Themen sollte ich schon vorher vertraut sein?

Gero: Grundsätzlich ist jeder Ausbildungsgang gut, der etwas mit Sprache oder Marketing zu tun hat, denn darum geht es im Bereich Social-Media- und Content-Marketing so gut wie immer. Allerdings werden auch zahlenaffine Menschen benötigt, denn der gesamte Online-Marketing-Bereich ist stark faktengetrieben und muss dauernd analysiert werden. Darum sind auch Betriebswirte gern genommen. Abgesehen davon sollte jeder, der im Social-Media-Bereich aktiv sein möchte, über sogenannte Soft Skills verfügen: nämlich einen positiven Umgang mit Menschen beherrschen, und zwar online wie offline.

Musti: Jeder Anfang ist schwer und nicht jeder kommt mit dem Druck zurecht, welche Herausforderungen sind vorprogrammiert?

Gero: Soziale Medien schlafen nicht. Der Shitstorm kann über Nacht kommen, wenn der Social-Media-Manager schläft (ja, das tut er gelegentlich) oder am Wochenende oder im Urlaub. Glücklicherweise sind Social-Media-Krisen wie etwa Shitstorms jedoch eher selten und wir können uns außerdem gut darauf vorbereiten.

Doch auch ohne Krise muss oftmals abends oder am Wochenende noch einmal auf einen Kommentar oder eine Nachricht geantwortet werden. Als Freiberufler ist das sehr herausfordernd, besonders, wenn du – wie ich – noch eine Familie hast. Hier gilt es also ganz klar dem Kunden oder auch dem Arbeitgeber zu kommunizieren, wo Schluss ist mit der eingekauften Leistung. Oder dass es einfach danach deutlich mehr kostet.

Musti: Junge Menschen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, welche drei sozialen Kompetenzen sind für diesen Beruf ein must have?

Gero: Der wichtigste Punkt ist Empathie. Du musst dich in dein Gegenüber hineindenken und seine Beweggründe für zum Beispiel einen negativen Kommentar verstehen können. Auch ist es hilfreich, einen ausgleichenden Charakter zu haben, um Spannungen abzubauen – letztendlich musst du schließlich dem Wortsinne nach »moderieren« können. Der dritte Punkt ist: Du musst große Geduld mitbringen, auch deinem Auftraggeber gegenüber. Denn nicht jeder Kunde oder Arbeitgeber versteht die Wichtigkeit deiner Tätigkeit – und warum du dafür gutes Geld haben willst.

Musti: Twitter und Facebook haben viele Berufe wie z.B. Journalismus modernisiert, werden in Zukunft weitere Berufe davon betroffen sein? Und welche Rolle spielen dabei Experten wie Du im Consulting?

Etliche Berufe sind in ihren Grundfesten erschüttert oder werden gerade nachhaltig zerstört, so ist etwa der komplette PR-Bereich massiv betroffen. Klassische PR-Agenturen des in der Vergangenheit bewährten Stils werden ebenso vom Markt verschwinden wie die kleine und mittelgroße Werbeagentur – sofern sie sich nicht massiv wandeln.

PR funktioniert nach dem Sender-Empfänger-Prinzip. Der Verkäufer gibt eine Botschaft ab, der Käufer hat huldvoll dieser Botschaft zu lauschen. Aber wer will schon derart unmündig behandelt werden? Social Media hebt diese Einbahnstraße auf und stellt Unternehmen vor die Situation, dass der Kunde ihnen tatsächlich öffentlich sagen kann, was er eigentlich von ihnen will – unter Umgehung traditioneller Wege wie Beschwerdeabteilungen oder Marktforschungsinstituten. Das klassische Marketing ist ebenso eine kommunikative Einbahnstraße. Und folgerichtig wird es sterben. Bereits jetzt sind die Online-Spendings größer als die TV-Spendings, 2018 oder spätestens 2019 wird auch Print überflügelt werden.

Social Media wirkt dabei kräftig mit, ist jedoch nicht der Auslöser, sondern nur eine begleitende Erscheinung. Die Gesellschaft ist der Auslöser. Wir alle haben einfach keine Lust mehr, auf Informationen zu warten, die erst am nächsten Tag in einer gedruckten Zeitung stehen, oder pünktlich um 20 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen, um die Tagesschau zu sehen. Wir wollen unsere kostbare Lebenszeit einfach nicht mehr von Programmabläufen oder Erscheinungsterminen dominieren lassen. Die Mediennutzung verlagert sich immer mehr ins Internet – und dort vor allem ins mobile Internet. Traditionelle Medien werden sehr stark darunter leiden.

Grundsätzlich wird über kurz oder lang jeder Beruf, der online statt offline funktioniert, offline verschwinden. Die entsprechenden Unternehmen müssen sich radikal wandeln. Meine Rolle als Berater ist es, Unternehmen bei dieser digitalen Revolution zu begleiten und sie zu unterstützen, die Herausforderungen zu meistern. Entsprechend entwickele ich Social-Media- und Content-Marketing-Strategien, schule ihre Mitarbeiter im Umgang mit sozialen Medien und übernehme auch, falls hausintern die Ressourcen fehlen, einen Teil oder die gesamte operative Arbeit im Social Web.

Musti: Neben Dir sind die bekanntesten Social Media Experten eher ohne Migrationshintergrund, welchen goldenen Rat kannst Du unseren Lesern geben um diese Situation zu ändern?

Gero: Auch ich habe keinen Migrationshintergrund, sieht man einmal davon ab, dass ich in Hildesheim geboren bin, wo ich schon seit 1974 nicht mehr lebe. 😉

Wenn jemand nach Deutschland kommt, so bringt er seine sozialen Medien mit. Es gibt Millionen von Türken, Griechen, Spaniern und arabischstämmigen Menschen in Deutschland, es gibt Polen, Franzosen, Vietnamesen, Engländer und auch sonst noch Menschen aus aller Herren Länder. All diese Menschen können von Unternehmen auf sozialen Medien angesprochen werden. Ein Social-Media-Manager mit türkischen Wurzeln kann aber türkischstämmige Personen viel besser ansprechen, als ich das könnte – denn mir als Deutschem fehlt der kulturelle und sprachliche Hintergrund der Zielgruppe.

Mit dem kulturellen und sprachlichen Wissen ihrer Herkunftsländer können deine Leser sich explizit bei Unternehmen bewerben, die Menschen mit nichtdeutscher Herkunft ansprechen möchten, und ihre ebenfalls nichtdeutsche Herkunft selbstbewusst als Vorteil präsentieren. Ich wünsche viel Erfolg dabei!

Über den Autor

Gero Pflüger ist Social-Media-Berater aus Hannover und hilft Unternehmen dabei sich im Social Media besser zu positionieren. Mehr von Gero bekommt ihr auf geropflueger.de.

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9 Kommentare
  1. Alexandra
    Alexandra says:

    Vielen Dank für diesen schönen Blogeintrag. Es gibt ja soviel Verschiede Bezeichnungen heutzutage da ist es toll wenn die neuen Berufe so erklärt werden. Meine Tochter macht nächstes Jahr Abitur und ich werde Ihr mal Deine Artikel zeigen. Inspiration ist in dieser Hinsicht sehr wichtig. Vielen Dank, Alex.

    Antworten
  2. Denise
    Denise says:

    Ein sehr spannendes Interview da ich selbst in diesem Bereich Fuß fassen möchte und gerade wieder einige spannende Punkte entdeckt habe wie eben das Thema mit der Ausbildung (ich habe zwar ein Diplom im Marketingmanagement aber bin mir da immer noch nicht so sicher ob das reicht aber anscheinend kann man da aus vielen Bereichen einsteigen!)
    Wirklich ein gelungener Beitrag!

    Viele Grüße
    Denise

    Antworten
  3. Menna
    Menna says:

    Ein wirklich interessantes Interview. Anfangs kannte ich den Job Social Media Manager überhaupt nicht. Aber jetzt wo ich das Interview gelesen habe, kann ich mir etwas darunter vorstellen. Ich wünschte, ich kenne jemanden, der diesen Beruf ausüben möchte, damit ich diesen Blogpost weiterempfehlen kann.

    Antworten
  4. Weltastronauten
    Weltastronauten says:

    Ich kann mich der Meinung von Menna nur anschliessen. Wir beschäftigen uns momentan intensiv mit dem Thema Online Business und da ist Social Media Manager / Berater ebenfalls ein Thema, da man das ganze auch von unterwegs erledigen kann oder einen Online Kurs darüber erstellen kann.

    Antworten
  5. Stefanie*
    Stefanie* says:

    Super Interview. Beschäftige mich wegen meines Blogs mit Social Media und habe angefangen das auch in der Arbeit zu übernehmen. Eine kleine Schulung wäre sicher noch hilfreich…
    Grüße, Stefanie*

    Antworten

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